Selbstmanagement bei Lip- und Lymphödem 

Wie Kompression und tägliche Routinen Ihre Therapie unterstützen können
Social Media Managerin / ehemalige Botschafterin Bereich Lymph
Johanna Rustigegeprüft von Johanna Rustige
Produktmanagerin Kompression und Brustversorgung

Selbstbestimmt leben mit Lip- und Lymphödem

 Ein Lip– oder Lymphödem begleitet Betroffene häufig über viele Jahre. Umso wichtiger ist es, den Alltag bewusst zu gestalten und die eigene Versorgung aktiv mitzugestalten. Selbstmanagement kann dabei unterstützen, die Therapiebausteine regelmäßig umzusetzen und Routinen zu entwickeln, die den Umgang mit der Erkrankung erleichtern und die Lebensqualität fördern können. 

Die Rolle der flachgestrickten Kompression

Warum Flachstrick?

Flachgestrickte Kompressionsstrümpfe unterscheiden sich von rundgestrickten Strümpfen durch ihr festeres Material und den höheren Arbeitsdruck. Sie eignen sich daher besonders für Lip- und Lymphödeme, bei denen es auf Stabilität und gleichmäßigen Druck ankommt. 

 

Ihre Vorteile: 

  • maßgefertigt für jede Körperform 
  • hoher Arbeitsdruck bei Bewegung 
  • Förderung des Lymphabflusses 
  • Verbesserung der Venenklappenfunktion 

 

Lesen Sie mehr zum Thema Flachstrick oder Rundstrick – welche Kompression ist die richtige für mich?

Lachende Frau mit Lip- und Lymphödem trägt Kompressionen an Beinen und Armen

Die komplexe physikalische Entstauungstherapie (KPE) – Basis der Behandlung

Die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE) ist das bewährte Behandlungskonzept bei Lip- und Lymphödem.
Sie setzt sich aus fünf eng aufeinander abgestimmten Säulen zusammen:
 

 

  1. Manuelle Lymphdrainage (MLD),  
  2. Kompression,  
  3. Bewegung,  
  4. Hautpflege, 
  5. Aufklärung und Schulung zum Selbstmanagement.  

 

Alle Komponenten greifen ineinander und unterstützen gemeinsam eine langfristig erfolgreiche Versorgung. 

Die KPE umfasst zwei Phasen mit unterschiedlichen Zielen. 

Grafik zum Selbstmanagement bei Lipödem und Lymphödem mit Maßnahmen wie Entstauung, Kompression, Bewegung und Hautpflege.

Phase 1 – Entstauungsphase:

In dieser Behandlungsphase steht die Reduktion von Schwellungen und die Normalisierung des Gewebes im Mittelpunkt. Durch tägliche manuelle Lymphdrainage – häufig kombiniert mit Bandagierungen oder adaptiven Kompressionssystemen wie dem Juzo ACS Light, dem medi circaid juxtafit oder dem ReadyWrap von Lohmann & Rauscher – wird Flüssigkeit abtransportiert und das Gewebe entlastet.

Ergänzend tragen Bewegungstherapie und regelmäßige Hautpflege dazu bei, den Lymphfluss zu fördern und die Haut zu schützen.

 

Alle Komponenten der KPE werden, wenn möglich, ein- bis zweimal täglich angewendet – meist über einen Zeitraum von zwei bis drei Wochen. 

Phase 2 – Erhaltungsphase:

Im Anschluss folgt die Erhaltungsphase, deren Ziel es ist, die erreichte Entstauung zu stabilisieren und das Ergebnis langfristig zu sichern.

Dazu wird eine maßgefertigte, flachgestrickte Kompressionsversorgung getragen, kombiniert mit regelmäßiger Lymphdrainage (in der Regel ein- bis zweimal pro Woche), Bewegung und konsequenter Hautpflege.

Idealerweise wird die Kompressionsversorgung direkt nach der Lymphdrainage angezogen, da die Muskulatur bei Bewegung gegen den Strumpf arbeitet und so den Lymphfluss weiter anregt. 

Lymphdrainage an einem Bein

Die Manuelle Lymphdrainage

Die manuelle Lymphdrainage ist eine spezielle medizinische Form der Massage und ein fester Bestandteil der KPE-Therapie. Sie findet in der Regel ein- bis zweimal pro Woche statt und unterstützt den Abtransport angestauter Flüssigkeit. 

Dabei werden mit sanften, rhythmischen Bewegungen die Lymphbahnen stimuliert, sodass der Abfluss verbessert wird. Viele Betroffene empfinden die Behandlung als angenehm entlastend. 

 

Der oder die LymphtherapeutIn ist zudem eine wichtige Anlaufstelle, wenn Sie mehr über die Funktionen des Lymphsystems erfahren möchten. Dort erhalten Sie auch wertvolle Tipps, wie Sie durch Anlymphen oder Eigendrainage zu Hause Ihr Selbstmanagement sinnvoll ergänzen können. 

Alltag mit der Kompressionsversorgung

Das tägliche Anziehen kann zu Beginn eine Herausforderung sein. Mit Anziehhilfen für Arm- oder Beinstrümpfe, Handschuhen und etwas Übung wird es jedoch schnell zur Routine. 

 

Damit die Kompression wie eine zweite Haut sitzt, sollten die Strümpfe direkt nach dem Aufstehen angezogen und erst abends wieder ausgezogen werden. 

 

In den ersten Wochen kann sich die Passform durch Umfangsveränderungen, etwa nach manueller Lymphdrainage, noch leicht verändern – regelmäßige Anpassungen im Sanitätshaus sind daher sinnvoll. 

Person zieht mit Handschuhen Kompressionsstrümpfe über das Bein.
Lip- und Lymphödem Betroffene mit Kompressionen beim Hula Hoop Training

Bewegung – Aktiv bleiben trotz Ödem

Bewegung ist ein zentraler Teil des Selbstmanagements. Sie steigert den Lymphfluss und verstärkt die Wirkung der Kompressionsversorgung. Besonders geeignet sind: 

 

  • Aquafitness oder Schwimmen – der Wasserdruck wirkt wie natürliche Kompression. 
  • Walking oder leichtes Joggen – sanfte Aktivität, die Muskeln und Lymphe gleichermaßen aktiviert. 
  • Faszientraining, Bellicon oder Hula Hoop – abwechslungsreiche Bewegungsformen, die Freude machen. 

 

Wichtig: Tragen Sie Ihre Kompression auch beim Sport, um die Wirkung zu verstärken. 

Hautpflege und Hygiene – Schutz für empfindliche Haut

Die Kompression beansprucht die Haut, die dadurch austrocknen oder jucken kann. Umso wichtiger sind konsequente Hautpflege und Hygiene: 

 

  • pH-neutrale oder leicht saure Seifen – idealerweise spezielle Pflegeprodukte wie die Juzo Lymph Lotion, das Spezialwaschmittel oder medi soft. 
  • Hautcremes vollständig einziehen lassen, bevor die Kompression angezogen wird 
  • Tägliches Reinigen der Strümpfe, um Elastizität und Hygiene zu erhalten 
  • Nägel sorgfältig pflegen und Verletzungen vermeiden; Spezialhandschuhe sind Pflicht beim An- und Ausziehen der Kompressionsversorgung 
  • bei plötzlichen Rötungen, Schmerzen oder Fieber sofort eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen 

 

Pflegeanleitungen und Tipps finden Sie auch in unseren Praxisvideos: 

Waschanleitung Kompressionsversorgung 

Pflegehinweise für Kompressionsstrümpfe 

Hände drücken Hautpflegecreme aus einer Tube der Marke Juzo auf die Handfläche.

Ernährung und Lebensstil

Ein gesundes Körpergewicht kann die Beschwerden deutlich lindern. Hilfreich sind ballaststoffreiche Lebensmittel, viel Flüssigkeit (ca. 2 Liter Wasser oder ungesüßte Getränke täglich) sowie die Reduktion von Zucker, Alkohol und Nikotin. 

 

Auch der Umgang mit dem eigenen Körper spielt eine Rolle: Akzeptieren Sie Ihr Ödem als Teil Ihres Lebens, ohne dass es den Alltag bestimmen darf.
„Leben Sie MIT dem Ödem, aber nicht FÜR das Ödem.“

Zwei Lipödem Betroffene Frauen zusammen im Park und sie tragen Kompressionen

Kleidung und Alltagstipps

Viele Betroffene fragen sich, wie sie trotz Kompression bequem und modisch gekleidet bleiben können. 

 

Alltagstipps auf einen Blick:

  • bequeme Kleidung tragen, die nicht einschneidet 
  • auf druckfreie Bündchen und Träger achten 
  • flache, komfortable Schuhe bevorzugen, ggf. orthopädisch angepasst 
  • Modefarben der Strümpfe nutzen, um die Kompression ins Outfit zu integrieren 

Unterstützung durch Fachleute und Community

Selbstmanagement bedeutet nicht, alles alleine schaffen zu müssen. Regelmäßige Beratung im Sanitätshaus, ein Netzwerk aus Ärztinnen, Ärzten, Therapeutinnen und Therapeuten sowie der Austausch mit anderen Betroffenen geben Sicherheit und Motivation. 

 

Entdecken Sie unsere Facebook-Community „Mittelpunkt Mensch – Leben mit Lip- oder Lymphödem“ und tauschen Sie sich mit anderen aus. 

Ihre persönliche Kompressionsversorgung

Jede Versorgung wird individuell angepasst – abhängig vom Krankheitsbild, den betroffenen Körperregionen und den persönlichen Bedürfnissen. Neben Standardversorgungen gibt es Zusätze wie Reißverschlüsse oder spezielle Materialien sowie regelmäßig wechselnde Modefarben. 

 

Mehr zum Ablauf erfahren Sie hier.

Selbstmanagement individuell gestalten

Ob Lipödem oder Lymphödem: Jede Versorgung und jedes Selbstmanagement sind so individuell wie der Mensch selbst. Manche setzen zusätzlich auf psychologische Unterstützung, andere auf ergänzende Therapien wie die Lymphdrainage zu Hause. Wichtig ist, sich nicht von Rückschlägen entmutigen zu lassen. 

 

 

Checkliste: Selbstmanagement bei Lip- und Lymphödem

Bereich  Wichtige Maßnahmen 
Kompression  tägliches Tragen der flachgestrickten Strümpfe, Anpassung im Sanitätshaus 
Lymphdrainage  regelmäßig, ggf. Eigendrainage oder z.B. Varilymph (SLK) für zu Hause 
Hautpflege  pH-neutrale Seifen, feuchtigkeitsspendende Cremes, Verletzungen vermeiden 
Bewegung  Schwimmen, Walking, Aquafitness, Faszientraining 
Ernährung  ballaststoffreich, wenig Zucker/Fett, ausreichend trinken 
Kleidung  bequeme, nicht einschnürende Kleidung, flache Schuhe 
Austausch  Mittelpunkt Mensch Facebook-Gruppe nutzen 

Beratung und Unterstützung bei rahm

Ob es um die Auswahl der richtigen maßgefertigten Flachstrickkompression, Tipps zum Anziehen oder die passende Hautpflege geht – unsere rahm ExpertInnen stehen Ihnen mit Erfahrung und Einfühlungsvermögen zur Seite.  

 

Vereinbaren Sie gerne einen Beratungstermin und lassen Sie sich individuell unterstützen.