Parastomale Hernie: Wenn das Gewebe nachgibt 

Warum ein Bauchdeckenbruch bei Stoma häufig vorkommt und wie eine angepasste Stomabandage unterstützen kann
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Leonie Wiebachgeprüft von Leonie Wiebach
Produktmanagerin Stoma / ableitende Inkontinenz

Bauchdeckenbruch bei Stoma: Eine häufige, aber behandelbare Komplikation

Menschen mit einer Stomaanlage erleben oft eine deutliche Erleichterung im Alltag. Gleichzeitig bringt das Leben mit einem künstlichen Darmausgang auch Herausforderungen mit sich – insbesondere im Hinblick auf die Stabilität der Bauchdecke. Eine der häufigsten Komplikationen ist der sogenannte Bauchdeckenbruch, auch parastomale Hernie genannt. Dabei handelt es sich um eine Vorwölbung im Bereich rund um das Stoma, bei der sich Baucheingeweide durch eine Schwachstelle in der Bauchwand schieben. 

 

Nicht jeder Bruch verursacht Schmerzen, aber er kann die Versorgung erschweren und das Sicherheitsgefühl im Alltag beeinträchtigen. Wichtig ist, Warnzeichen zu erkennen, Risikofaktoren zu verstehen und frühzeitig geeignete Maßnahmen zu ergreifen. 

Was ist ein Bauchdeckenbruch und warum entsteht er bei StomaträgerInnen?

Ein Bauchwandbruch (auch Bauchdeckenbruch oder Hernie) entsteht, wenn sich Gewebe oder Darmteile durch eine Lücke in der Bauchwand nach außen wölben. Diese Lücke kann durch eine angeborene Bindegewebsschwäche, eine Operation oder andere Faktoren entstehen. Bei einer Stomaanlage wird die Bauchdecke chirurgisch geöffnet, um die Stomaöffnung anzulegen. Diese Stelle bleibt eine potenzielle Schwachstelle – besonders dann, wenn zusätzliche Belastungen wie Husten, körperliche Anstrengung oder Übergewicht hinzukommen. 

In diesem Zusammenhang spricht man von einer parastomalen Hernie. Die Literatur nennt unterschiedlich hohe Zahlen zur Häufigkeit: Zwischen 10% und 70% der Betroffenen entwickeln im Laufe der Zeit eine solche Komplikation. 

 

Typische Anzeichen einer parastomalen Hernie:
  • Eine sicht- und tastbare Vorwölbung neben dem Stoma 
  • Größenunterschiede von Tischtennisball bis Fußball 
  • Spannungsgefühl oder Druck in der Bauchregion 
  • Ziehende Schmerzen, vor allem bei Belastung 
  • Probleme beim Anbringen oder Dichten der Stomaversorgung 

Diese Symptome sollten ernst genommen und ärztlich abgeklärt werden – auch dann, wenn keine akuten Beschwerden bestehen. 

rahm Stoma Expertin bringt bei einer PatientIn einen Stomabeutel am Bauch an

Risikofaktoren: Wer ist besonders betroffen?

Ein Bauchdeckenbruch kann prinzipiell bei allen Menschen mit Stoma auftreten. Dennoch gibt es Faktoren, die das Risiko deutlich erhöhen. Dazu zählt in erster Linie Übergewicht, da ein erhöhter Bauchinnendruck auf die ohnehin geschwächte Bauchwand wirkt. Auch chronischer Husten, Verstopfung oder starkes Pressen beim Toilettengang können das Gewebe zusätzlich belasten. 

Ein weiterer Risikofaktor ist eine angeborene oder altersbedingte Bindegewebsschwäche. Besonders gefährdet sind zudem PatientInnen, bei denen es nach der Stomaanlage zu Wundheilungsstörungen, Infektionen oder einer unsachgemäßen Platzierung des Stomas kam. Auch frühere Operationen in der Bauchregion – etwa bei einer Tumorerkrankung oder entzündlichen Darmerkrankung – spielen eine Rolle, wenn es im Bereich der Narbe zu einem sogenannten Narbenbruch kommt. 

Diagnose: Wann sollte ein Bauchwandbruch abgeklärt werden?

Auch wenn eine Vorwölbung anfangs keine Beschwerden verursacht, empfiehlt sich eine ärztliche Abklärung. In vielen Fällen lässt sich die Hernie bei der körperlichen Untersuchung ertasten. Zusätzlich kann ein Ultraschall Aufschluss darüber geben, wie groß die Bruchpforte ist und welche Gewebestrukturen betroffen sind. 

Treten plötzlich starke Schmerzen, Verhärtungen, Übelkeit oder Fieber auf, kann dies ein Hinweis auf eine eingeklemmte Hernie sein. In solchen Fällen ist eine schnelle medizinische Behandlung notwendig, um schwerwiegende Komplikationen zu vermeiden. 

Stoma Versorgung

Leben mit parastomaler Hernie – was ist möglich?

Nicht jede parastomale Hernie muss operiert werden. Viele Menschen leben jahrelang mit einem Bauchdeckenbruch, ohne dass dieser behandlungsbedürftig ist. Die Entscheidung über eine operative Versorgung hängt von verschiedenen Faktoren ab – etwa von der Größe des Bruchs, den Beschwerden oder der Einschränkung bei der Stomaversorgung. 

 

Vor allem im Alltag ist ein Gefühl von Sicherheit entscheidend. Dabei können angepasste Stomabandagen eine große Unterstützung bieten: Sie stabilisieren die Bauchwand, entlasten das Gewebe rund um das Stoma und geben mehr Halt bei Bewegung. 

Stoma und Bauchdeckenbruch: Was hilft zur Vorbeugung?

Eine parastomale Hernie lässt sich nicht immer verhindern – aber es gibt Möglichkeiten, das Risiko deutlich zu verringern. Die Kombination aus körperlicher Achtsamkeit, gezieltem Training und passender Versorgung kann helfen, die Bauchdecke langfristig zu schützen. 

 

Wichtige Maßnahmen zur Vorbeugung:
  • Keine Lasten über 5kg heben 
  • Regelmäßige Übungen zur Kräftigung der Bauchmuskulatur (nach Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt) 
  • Vermeidung von chronischem Pressen (z.B. bei Verstopfung) 
  • Tragen einer gut angepassten Stomabandage – insbesondere bei Belastung 
  • Teilnahme an einer strukturierten Stomanachsorge 

 

Zusätzlich empfehlen unsere ExpertInnen ein individuelles Beratungsgespräch zur Einschätzung des persönlichen Risikoprofils. 

Stomabandage bei Hernie: Unterstützung für den Alltag

Stomabandagen gehören zu den wichtigsten Hilfsmitteln bei einem Bauchdeckenbruch rund um das Stoma. Sie bieten nicht nur zusätzlichen Halt im Alltag, sondern können auch das Risiko für weitere Komplikationen senken. Durch die gleichmäßige Druckverteilung auf die Bauchdecke wird das umliegende Gewebe entlastet – ein wichtiger Faktor, um eine bestehende Hernie zu stabilisieren oder eine weitere Ausweitung zu verhindern. 

 

Eine angepasste Stomabandage unterstützt die Bauchwand dort, wo sie durch die Operation geschwächt wurde. Gleichzeitig sorgt sie dafür, dass das Versorgungssystem sicher sitzt und sich bei Bewegung oder körperlicher Aktivität nicht löst. Viele Betroffene berichten zudem, dass sie sich mit Bandage sicherer fühlen – etwa beim Bücken, Heben oder längeren Gehen. Auch optisch kann die Bandage den Bauch glätten und so das Selbstbewusstsein im Alltag stärken. Für Freizeitaktivitäten wie Schwimmen oder Saunabesuche gibt es spezielle Modelle, die angenehm zu tragen sind und gleichzeitig die nötige Sicherheit bieten. 

Bewegung mit Bauchwandbruch – was ist möglich?

Bewegung ist auch mit einem bestehenden Bauchwandbruch grundsätzlich möglich und kann sogar zur Stabilisierung beitragen. Wichtig ist allerdings, Belastungen gezielt zu dosieren und die Bauchdecke nicht zusätzlich zu überfordern. Dabei hilft eine individuell angepasste Stomabandage, die bei jeder körperlichen Aktivität getragen werden sollte. 

 

Besonders geeignet sind sanfte Bewegungsformen, die die Muskulatur stärken, ohne zu stark auf den Bauchraum einzuwirken. Dazu zählen unter anderem Spaziergänge oder leichtes Ausdauertraining, das die allgemeine Fitness verbessert. Auch gezielte Kräftigungsübungen – etwa unter physiotherapeutischer Anleitung – können die Rumpfmuskulatur stabilisieren und das Gewebe rund um das Stoma entlasten. Wer gerne schwimmt, kann mit einer wasserfesten Bandage auch im Becken aktiv bleiben. Ergänzend sind Atemübungen sowie Beckenboden- und Haltungstraining sinnvoll, um die Körpermitte zusätzlich zu stärken und ein gutes Körpergefühl zu entwickeln. 

Mann macht Dehnübungen für den Arm nach dem Sport, Rückenansicht

Ihre Stoma-AnsprechpartnerInnen bei rahm

In unseren Stomasprechstunden begleiten wir Sie über die reine Versorgung hinaus. Unsere speziell geschulten Pflegefachkräfte nehmen sich Zeit, klären offene Fragen, helfen bei Problemen und beraten zu Themen wie Hautpflege, Versorgungssysteme oder Hernienprophylaxe. 

 

Ein Auszug aus den Themen unserer Stomasprechstunde: 
  • Anleitung im Umgang mit dem Stoma 
  • Hautschutz und Pflegeprodukte 
  • Beratung zur Versorgung bei Hernien 
  • Auswahl und Anpassung von Bandagen 
  • Ernährung, Bewegung und Rückverlegung 
  • Umgang mit Partnerschaft und Freizeit 

 

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