Ernährung mit Stoma

Tipps für Alltag, Wohlbefinden und Verdauung
Marketing Managerin SEO & Unternehmenskommunikation
Leonie Wiebachgeprüft von Leonie Wiebach
Produktmanagerin Stoma / ableitende Inkontinenz

Wie verändert sich das Essen mit einem künstlichen Darmausgang?

Viele StomaträgerInnen stellen sich diese Frage – besonders in den ersten Wochen nach der Operation. Die gute Nachricht: Für die Ernährung mit künstlichem Darmausgang (auch Enterostoma) gibt es keine starre Diät. Aber es lohnt sich, ein paar Dinge zu beachten, damit Ihre Verdauung mit Stoma möglichst reibungslos verläuft. 

Gesunde Mischkost – individuell angepasst

Ein Stoma bezeichnet eine künstliche Körperöffnung, die operativ angelegt wird, um die Ausscheidung von Urin oder Stuhl zu ermöglichen. In der Regel unterscheidet man zwischen Ileostoma (Dünndarm), Kolostoma (Dickdarm) und Urostoma (Harnableitung). Die hier beschriebenen Ernährungstipps richten sich vor allem an Menschen mit einem Enterostoma, also einem künstlichen Darmausgang – insbesondere bei Ileostomie (Dünndarmausgang). 

 

Grundsätzlich ist keine spezielle Diät erforderlich, sofern sie nicht ärztlich verordnet wurde. Empfehlenswert ist eine ausgewogene Mischkost mit reduzierten Ballaststoffen. Besonders in der Anfangszeit kann es hilfreich sein, stark blähende oder geruchserzeugende Speisen zu meiden. Viele dieser Lebensmittel werden nach einigen Wochen jedoch wieder gut vertragen. Was genau verträglich ist, muss individuell herausgefunden werden – durch aufmerksames Beobachten und schrittweises Ausprobieren. 

 

Ein weiterer wichtiger Punkt ist das gründliche Kauen. Da der Verdauungsweg bei einem Stoma verkürzt ist, erreichen schlecht zerkleinerte Nahrungsbestandteile schnell die Stomaöffnung – was zu Verstopfungen oder Beschwerden führen kann. Zudem wird empfohlen, täglich mindestens zwei Liter zu trinken. Dies unterstützt nicht nur die Verdauung, sondern gleicht auch Flüssigkeitsverluste aus, die bei bestimmten Stomaarten vermehrt auftreten können. 

 

Hilfreich ist auch ein Ernährungstagebuch. Wenn Sie regelmäßig notieren, wann und was Sie gegessen haben und wann Ausscheidungen erfolgten, erkennen Sie schneller Zusammenhänge – und können Ihre Ernährung bei Bedarf anpassen. Auch die Regelmäßigkeit beim Essen kann sich positiv auf Ihre Verdauung auswirken. Wer langsam und bewusst isst, unterstützt den Verdauungsprozess und vermeidet Beschwerden wie Krämpfe oder Blähungen. 

Vegetarier mischt Gemüsesalat in einer Schüssel

Ernährung bei Dünndarmstoma (Ileostomie): Besonderheiten beachten

Bei einem Dünndarmstoma (Ileostoma) gelten zusätzliche Empfehlungen, da der Dickdarm – der normalerweise Wasser entzieht – teilweise oder vollständig umgangen wird. Das bedeutet: Der Stuhl ist flüssiger, die Verdauung schneller und die Aufnahme bestimmter Nährstoffe eingeschränkt. Umso wichtiger ist eine angepasste Ernährung, die gut verträglich ist und gleichzeitig Mangelerscheinungen vorbeugt. 

 

Stark faserhaltige Lebensmittel wie frische Pilze, Spargel, Mais, rohe Ananas oder Orangen, Sellerie und Sauerkraut sollten möglichst vermieden oder nur in sehr kleinen Mengen gegessen werden – und stets gut gekaut. Sie können unverdaut im Stuhl auftauchen oder sogar die Stomaöffnung verstopfen. Tomaten sind besser verträglich, wenn sie enthäutet und entkernt gegessen werden. 

 

Während der Mahlzeiten sollte nur wenig getrunken werden. Denn zu viel Flüssigkeit zur Speise kann zu einem beschleunigten „Durchspüleffekt“ führen – die Nahrung passiert den Darm dann besonders schnell, was die Nährstoffaufnahme zusätzlich erschwert. Zwischen den Mahlzeiten darf und sollte jedoch reichlich getrunken werden. Ideal sind isotonische Getränke, stilles Mineralwasser oder salzhaltige Brühen. Auch bei flüssigem Stuhlgang sollte die Trinkmenge keinesfalls reduziert, sondern vielmehr angepasst werden – zum Beispiel durch sogenannte Sportlerdrinks oder Bouillon. 

 

Kommt es zu extrem hohen Stuhlvolumina, helfen pektinhaltige Lebensmittel, die den Stuhl eindicken können. Dazu zählen insbesondere gekochte Möhren, Bananen, Aprikosen, Heidel- und Preiselbeeren sowie geriebener Apfel. Auch Zwieback, Reiswaffeln oder Biskuit können unterstützend wirken. 

 

Jeder Mensch reagiert individuell. Deshalb ist es sinnvoll, neue Lebensmittel immer einzeln zu testen und die Reaktionen aufmerksam zu beobachten. Lebensmittel, die Sie bereits vor Ihrer Operation nicht gut vertragen haben, sollten auch weiterhin gemieden werden. 

Was darf man mit einem Stoma essen und was sollte man besser vermeiden?

Die folgende Stoma Ernährungstabelle bietet eine praktische Orientierung. Sie zeigt auf, welche Lebensmittel und Getränke bestimmte Wirkungen auf Ihre Verdauung haben können – von abführend über geruchshemmend bis stopfend. Diese Effekte treffen nicht bei allen Menschen gleichermaßen zu, können aber bei der individuellen Auswahl Ihrer Mahlzeiten hilfreich sein. 

 

Kategorie
Lebensmittel / Getränke 
Abführend  Sauerkraut, Sauerkrautsaft, hochprozentiger Alkohol, viel Kaffee, Zitrussäfte, Bier 
Stopfend  Schokolade, Bananen, Weißbrot, Kartoffeln, Magerquark, Cola, Schwarztee, Zwieback 
Blähend  Hülsenfrüchte, Kohl, Lauch, Weißbier, Apfelsaft, Zwiebeln, frisches Brot 
Blähungshemmend  Preiselbeeren, Heidelbeersaft, Naturjoghurt, Fenchel, Petersilie, Kümmel, Anis 
Geruchserzeugend  Eier, Knoblauch, geräucherter Fisch/Fleisch, Spargel, herzhafter Käse, Hülsenfrüchte 
Geruchshemmend  Preiselbeersaft, Petersilie, Spinat, Heidelbeeren, Naturjoghurt 

 

 

 

Viele Fragen drehen sich um die Alltagstauglichkeit:

Was darf ich bei Stoma essen, wenn ich Durchfall habe?

Hier sind pektinreiche Lebensmittel wie Banane, Apfelmus oder Möhren eine gute Wahl. Auch Reiswaffeln und Zwieback helfen, den Stuhl zu festigen. 

Welches Obst bei Stoma?

Gekochtes oder püriertes Obst ist oft bekömmlicher – etwa Birnen, Äpfel oder Beeren. Frische Zitrusfrüchte sollten zunächst vorsichtig getestet werden. 

Welches Brot eignet sich bei Stoma?

Weizen- oder Toastbrot sind in der Regel gut verträglich, während frisches Vollkornbrot zu Beginn blähend wirken kann. Wer dennoch nicht darauf verzichten möchte, kann fein vermahlene Sorten oder altbackenes Brot probieren. 

Warum kein Kaffee bei Stoma?

Größere Mengen können eine abführende Wirkung haben – das gilt auch für stark gewürzte Speisen oder Zitrussäfte. Hier hilft es, die Reaktion des Körpers genau zu beobachten und die persönliche Toleranzgrenze auszutesten. 

Persönliche Beratung: Ernährung und Alltag mit Stoma

Sie möchten Ihre Ernährung besser auf Ihre Versorgung abstimmen oder gezielt Beschwerden wie Blähungen, Durchfall oder Gerüche vermeiden? Unsere erfahrenen Stoma-ExpertInnen stehen Ihnen zur Seite – mit viel Einfühlungsvermögen, Praxiserfahrung und wertvollen Tipps aus dem Alltag. 

 

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